Vorträge und Lesungen

KULTUR trifft ZEITGESCHICHTE

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen…“

Zu Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland

Der Titel des Abends ist ein Zitat des italienischen Schriftstellers Primo Levi. Der Auschwitz-Überlebende warnte im Jahr 1986 davor, im Gedenken an die Verbrechen des Holocaust nachzulassen: „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben."

Am 19. April 1945 schworen sich die Befreiten des KZ Buchenwald in einer bewegenden Ansprache den „Nazismus mit seinen Wurzeln" zu vernichten. Doch schon bald nach Untergang des NS-Regimes lebte in Deutschland rechtsextremes Gedankengut wieder auf. Rechtsextremismus, rechtsextreme Übergriffe, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Terror sind in der Bundesrepublik Deutschland immer wieder Realität geworden, zuletzt in Hanau.

Schlaglichtartig beleuchtet das Programm einschneidende Ereignisse in der Entwicklung der extremen Rechten in Deutschland, unter anderem die Schändung der Kölner Synagoge im Jahr 1959, das Attentat auf Rudi Dutschke, das Oktoberfestattentat in München, die Pogrome von Solingen und Rostock, die rechtsextremen Terrorakte des NSU, den Mord an Walter Lübcke sowie der versuchte Massenmord an Juden am Versöhnungstag (Jom Kippur) in Halle/Saale. Zu Gehör kommen harte Fakten in Form von Reportagen, Stimmen von Opfern rechter Gewalt sowie das Zeugnis einer Neonazi-Aussteigerin. Den musikalischen Kommentar, der stellenweise auch als Kontrapunkt zur Lesung fungiert, bilden große Werke der Bläserquintettliteratur von Paul Hindemith, Pavel Haas und György Ligeti – drei Komponisten, die zu Opfern von Holocaust und nationalsozialistischer Diktatur wurden.

Mit ihrer Collage aus Lesung und Kammermusik möchten Roman Knižka und das Ensemble Opus 45 einerseits dazu auffordern, sich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen und andererseits den Opfern rechter Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland zu gedenken.

in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Saar

  • 29. Januar 2022 | 19:00 Uhr
  • Politische Akademie der SDS
    Europaallee 18
    66113 Saarbrücken

  • AnsprechpartnerIn
    Dr. Verena Paul
    0681 906 26 - 24
    vp@sdsaar.de


Roman Knižka

geb. 1970 in Bautzen, er floh noch vor dem Mauerfall aus der DDR. Zuvor erlernte er an der Dresdener Semperoper den Beruf des Theatertischlers, später studierte er an der Bochumer Schauspielschule. Während des Studiums spielte er zunächst am dortigen Schauspielhaus und begann dann, sich in der Filmproduktion einen Namen zu machen. Daneben spricht er regelmäßig Hörbücher ein und ist mit großem Erfolg auf der Bühne aktiv. Zu seinen Projekten gehören u.a. „1700 Jahre", „Rechte Gewalt in Deutschland", „NS-Widerstand", die sich mit dem Thema Rechtextremismus und Nationalsozialismus kritisch auseinandersetzen. Zudem engagiert er sich bei Projekten für Kinder.

Begleitet wird Roman Knižka bei all seinen Projekten von OPUS 45, ein Ensemble, das sich bei einem Berliner Orchesterprojekt gründete.

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© Jens Koch


KULTUR trifft ZEITGESCHICHTE
Eine Reihe der Stiftung Demokratie Saarland

2022 startet unsere Reihe „Kultur trifft Zeitgeschichte", in der wir Zeitgeschehen und Geschichte mit den Mitteln der Kunst ergründen. Vielleicht sind es berührende Zeilen von Schriftstellern, Dichtern und Philosophen oder Klänge von Komponisten, die uns auf behutsame Weise in die Vergangenheit mitnehmen und die uns gesellschaftliche Schieflagen mit anderen Augen wahrnehmen lassen, uns zum kritischen Nachdenken motivieren. Wer wirklich in den Köpfen der Menschen etwas zum Positiven hin bewirken möchte, der muss Mut haben, sich an innere Orte zu begeben, an Orte in uns selbst, die Zweifel, Angst und Trauer hervorrufen. Und wem könnte dies besser gelingen als Künstlerinnen und Künstlern?


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